MTB USA – Reisebericht

Drei ganze Kerle, ein Pickup, drei Mountainbikes- eine Reise

Die Gelegenheit

Ende 2015 schrieb ich Benni, der sich gerade in den USA aufhielt, dass es ja die Gelegenheit für meinen Bruder Helge und mich wäre, ihn besuchen zu kommen und dabei ein paar Ecken der USA zu bereisen, bestenfalls mit dem Rad! Aus dem Gedanken entwickelte Benni direkt die Idee eines Mountainbiketrips, der alle wichtigen MTB-Trails der westlichen USA abhandelt. Nun, aus der Idee wurde ganz schnell Ernst und so lagen die Flugtickets schon unter dem Weihnachtsbaum.

Die Planung

Noch an den Weihnachtsfeiertagen begann mein Bruder Helge mit der Suche nach Trails. Bisher hat er doch die Zeitschriften mit den Gedanken “schöner Trail, weit weg” durchgeblättert. Nun ergab sich eine neue Sicht. Welchen würde er wohl selbst gern fahren? Ich habe mich bei der Planung dezent zurückgehalten, verderben doch zu viele Köche den Brei.

Für Benni stand sofort fest, unser Fortbewegungsmittel musste ein Pickup sein- schon allein wegen des Reisegefühls.

Und wo schlafen wir? Ganz klar- im Zelt, ist die USA doch wie gemacht für Campingreisen. Das sollten meine ersten Nächte werden, die ich ernsthaft im Zelt verbrachte.

Die Ausrüstung

Streng nach der Devise “weniger ist mehr”, was braucht man schon zum Überleben? Und natürlich braucht man Fahrräder! Außerdem Klamotten, einen Campingkocher, ein Zelt, eine luxuriöse Luftmatratze, Löffel, Messer und Gabel, Topf, Schüssel und ein Mietauto. Verpflegung und Benzin werden uns zu gegebener Zeit die Kreditkarten bescheren.

Bikes auf Pickup
Bikes und Gepäck aufladen in LA.

Die Route

US Radfahr-Heatmap
MTB-Reise durch den Westen der USA im Mai 2016

Los Angeles – San Diego – Sedona – Grand Canyon – Moab – Hurricane – Lake Tahoe – Downieville – Folsom – Fairfax – Santa Cruz – Highway One – Los Angeles

Die Reise

Unsere Reise begann in LA. Die ersten zwei Tage nahmen wir Oaks und Aliceo unter die Räder. Müde und noch nicht ganz aklimatisiert war der Puls hoch und es war kaum zu glauben, in einer völlig anderen Ecke der Welt auf dem eigenen Bike zu sitzen. Am zweiten Tag in Los Angeles gab es erstmal Fahrtechniktraining mit Aaron Lucy. In den drei Stunden galt es möglichst viel von den für eine MTB-Reise überlebenswichtigen Hinweisen aufzunehmen und zu verinnerlichen.

1. Übungen für Körperhaltung und Kurven auf der Straße
2. Kurven, Bremstechnik und Überrollen
3. Anlieger und Felspassagen auf dem Trail

An dieser Stelle: Danke Aaron! Mit seinen Hinweisen im Ohr ging es direkt noch am Abend auf sandig, felsigen Wegen in San Juan hinauf in leuchtend grüne Berge. Im Downhill verschwanden die Wege zunehmend in der Dunkelheit und so fuhren wir bei Dunkelheit mit unserem Pickup weiter nach San Diego.

San Juan Trail
Herrliches Grün in der Dämmerung auf den San Juan Trails

An den Tagen drei und vier waren also Bennis Hometrails fällig. Black Mountain, Elfin Forest und Mount Bernardo gingen alle noch am selben Tag über die Bühne. Dann das erste Highlight, Noble Canyon.


Ein wahnsinnig schöner Trail, wohl der schönste in Kalifornien! Der Nebel stand in den Bäumen. Auf dem Anstieg rollten wir überwiegend auf Asphalt.

Es folgte die erste längere Autofahrt gen Osten, Ziel: Sedona in Arizona! Ab sofort wird gezeltet! Am fünften Tag fuhren wir also mitten in den Red Rocks auf den “Upper dry Creek Area Trails” und am sechsten Tag hatten wir echtes MTB-Sightseeing auf der legendären “White Line”, die wir zwar nicht gefahren sind, aber auch “Little Horse” und “Hiline” lassen das MTB-Herz sehr viel höher schlagen. Und plötzlich waren wir schon mitten drin in unserer Reise mit dem Mountainbike durch den Westen der USA.

Der erste Tag ohne Bike begann mit einem Frühstück im Grand Canyon und obwohl ich vor Müdigkeit die Situation kaum richtig wahrnehmen konnte, erkannte ich in dem Canyon unsere heimatlichen Tagebaulöcher wieder.

Es zog uns weiter nach Moab im Bundesstaat Utah. Neben dem technisch anspruchsvollen Captain Ahab Trail, ging es auf den Slick Rocks mit endlosem Grip steil auf- und abwärts und der Whole Enchilada sorgte für erste Diskussion unter uns Jungs. Ist er im Loop fahrbar? Also ohne Shuttle? Und natürlich war er das! Ein ganz besonderer Tag und richtungsweisend für den weiteren Verlauf der Reise: Shutteln war kein Thema mehr! Moab war der östlichste Punkt unserer Reise. Es ging wieder nach Westen, weit nach Westen.


Mit einem Zwischenstopp auf dem Goosberry Mesa und auf den Spuren der Red Bull Rampage landeten wir schließlich am Lake Tahoe. Endlich wieder Vegetation, herrliche Trails und Schwimmen im See.


Lake Tahoe hielt uns einen Tag länger fest, doch die Anziehungskraft von Downieville war groß.

An Tag fünfzehn unserer Reise kamen wir so in ein echtes Mountainbike-Dorf. In Downieville ist alles auf Biken abgestimmt. Die Trails sind bestens gepflegt und gehören zu den absoluten Highlights der Tour. Der Butcher Trail, mein persönlicher Favorit! Aufstieg die ersten 100 Höhenmeter über Forstautobahn, dann ging es weiter hoch über Single Trail (Second Divide Trail) und noch weiter nach oben auf dem Butcher Trail, bis der Schnee jede Weiterfahrt verhinderte. Der anschließende Downhill war superflüssig, verspielt und einfach “sick”! Hier hätten wir gern einen Tag länger verbracht, aber auch das nächste Ziel, Fairfax, war mindestens ebenso vielversprechend.

Neben einer Besichtigung des Fairfax MTB-Museums nach Feierabend, konnten wir an Tag sechszehn dem Einzelzeitfahren der Tour of California beiwohnen. Abschluss des perfekten Tages war der ganze Camp Tamaroncho Loop auf dem Bike bei Abenddämmerung- und weiter ging es (immer noch noch am selben Tag) nach Santa Cruz, denn eine Runde durch den Demo Forest war für den nächsten Morgen geplant. Regen, Matsch, keine Dusche! Es sollte unser einziger Regentag bleiben. Und wo wir uns gerade richtig an den Pickup, die Bikes, das Campen und an uns gewöhnt haben, waren wir schon auf der “One” unterwegs Richtung Süden.

Doch bevor wir uns nun in Los Angeles wieder auf die Rückreise vorbereiten mussten, hatten wir noch die Gelegenheit den “Prewitt Ridge Trail” zu fahren. Zufällig bekamen wir sogar eine Camp Site am Fuße des Trails, sodass wir am letzten Tag unserer Reise direkt in den Sonnenuntergang und an unser Lagerfeuer fuhren. Mir ist vor Kälte oben etwas das Gesicht eingeschlafen, aber es war ein wahnsinnig schöner Downhill in den Sonnenuntergang am Pazifik. Es ging einen Kilometer abwärts auf einem nur 6 Kilometer langen Trail. Von 1100 Höhenmetern auf 46 Höhenmeter direkt in unsere Camp Site. Der Abschluss der Reise war vor allem eines: episch!

Anhang

Zusammenfassung aller aufgesuchten Trails

6 Gedanken zu „MTB USA – Reisebericht

  1. Captain Snowride Antworten

    Ich hatte das ganze ja schon auf Strava in quasi Echtzeit verfolgt, aber jetzt noch einmal so durch die gesamte Tour zu schmöckern, zaubert mir ein breites Grinsen ins Gesicht und weckt doch gleich wieder Verlangen.

    Und auch wenn da sicherlich viele einmalige Highlights dabei waren, erinnert mich das eine oder andere Video an Trails gleich um die Ecke hier bei mir im Thüringer Wald.

    Ohne dabei gewesen zu sein, glaube ich auch, dass man diese drei Wochen als EPISCH bezeichnen muss!

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